Brian Schwegler


 

EUROTECH NEWSLETTER WINTER 1997

Student Spotlight: Brian Schwegler

Grüße aus Deutschland!
Ich heiße Brian Schwegler. Ich bin jetzt für ein Jahr in Deutschland im Rahmen meines Studiums EUROTECH Programm. Es ist mein fünftes und letztes Studienjahr. Hier mache ich meine notwendigen Kurse fertig für mein BS Diplom in Chemieingenieurwesen und mein BA Diplom in Deutsch. Letzten Sommer war ich drei Monate in Köln als Teilnehmer des Bayer Summer Internship Program. Ich bin zur Zeit in Konstanz als Student innerhalb des Austauschprogramms zwischen dem Connecticut Department of Higher Education und dem Land Baden-Württemberg.

Die Arbeit bei der Bayer AG in Leverkusen diesen Sommer hat mir eine Gelegenheit gegeben, Arbeits- erfahrung bei einer deutschen Firma zu sammeln. Dieses Programm begann mit einem einmo- natigen Sprachkurs bei der Carl Duisberg Gesellschaft in Köln. Die nächsten zwei Monate habe ich in einem Chemieforschungslabor mitten in einer Firma mit 30.000 Arbeitnehmern gearbeitet. Als Sommerwerkstudent hatte ich die Gelegenheit, eine “Rundfahrt” durch diese große Firma zu machen; ich konnte so viele der Verfahrenstechniken, die ich an der Uni in Connecticut vorher studiert habe, sehen. Im Labor konnte ich lernen, wie Forschungsprozesse ablaufen, und meinen Chemiewortschatz in Deutsch verbessern. Ich habe in einem Labor für organische Synthese gearbeitet, das neue Medikamente erforscht. Ich glaube, daß diese Arbeitserfahrung Vorteile für einen Mitarbeiter einer deutschen Chemiefirma in Amerika darstellt.

Als Teilnehmer des Baden-Württemberg Austauschprogramms studiere ich an der Universität Konstanz. Dieses Programm beginnt ebenfalls mit einem vierwöchigen Sprachkurs; diesmal in Heidelberg. Konstanz liegt am Bodensee, im äußersten Süden von Baden-Württemberg. Ich kann innerhalb von fünf Minuten zum Rhein, zum Bodensee, oder in die Schweiz spazieren. Ich nehme an Kursen in Chemie, Wirtschaftswissenschaft, Informatik und deutscher Literatur teil, sie sind natürlich alle auf deutsch. Hier kann ich das amerikanische und deutsche Ausbildungssystem, die Kultur, und die Lebensgewohnheiten vergleichen. Diese Arbeit und das Studium im Ausland haben mir viele Erfahrungen gebracht, die ich nie vergessen werde. Es gibt auch viele Herausforderungen. Ich habe Reisen durch Deutschland und seine Nachbarländer gemacht, viele nette Leute aus aller Welt kennengelernt, ein bißchen Geld verdient, Arbeitserfahrung gesammelt, und habe kulturelles Verständnis bekommen, was einen lebenslangen Eindruck hinterlassen wird.


Frühling 1998

Grüße aus Leverkusen!

Hallo mein Name ist Brian Schwegler und ich bin immer noch hier. Das habe ich mir vor 3 Jahren nicht vorstellen können. Ich wohne jetzt seit 21 Monaten in Deutschland.
Ich kann mich noch gut daran erinnern als ich mich zum ersten mal über das EUROTECH Programm informierte. Ich war schon im 3. Jahr meines Chemieverfahrenstechnik-Studiums und wollte dann anfangen, Deutsch zu lernen. Auf Grund der Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, hat mich die Sprache interessiert, denn nur dort kann man Sie richtig verwenden.
Als ich ein Angebot von Bayer bekam, als Sommerwerkstudent in Leverkusen (Deutschland) zu arbeiten, war ich völlig davon begeistert, obwohl ich immer noch nicht glauben konnte, einen ganzen Sommer in Deutschland zu wohnen. Da ich im 4. Jahr meines Ingenieurstudiums an UConn war und noch viele notwendige geisteswissenschaftliche Kurse für mein Hauptfach Deutsch brauchte, habe ich mich entschlossen, meine letzten 2 Semester im Ausland zu beenden. Als Teilnehmer am Baden-Württemberg Austauschprogramm habe ich dann 2 schöne Semester am Bodensee in Süddeutschland genossen.
Eigentlich war das Wintersemester total neblig, was super zum Studieren und Deutschlernen paßt. Dafür war das Sommersemester am sonnigen Bodensee perfekt für Berg- und Wassersport.
Als mein Austauschstudium und damit mein Uniabschluß zu Ende kam, mußte ich dann überlegen, in welche Richtung das Leben weiter geht. Da ich noch in Deutschland war und mich hier wohl fühlte, kam ich auf die Idee mich zuerst bei Chemiefirmen in Deutschland zu bewerben. Mit der Erfahrung als Sommerwerksstudent bei der Bayer AG in Leverkusen habe ich von diesem Unternehmen ein Angebot für eine Arbeit als Chemieingenieur in der technischen Entwicklungsabteilung für Flüssigverfahrenstechnik im Gebiet Destillation bekommen.
Na gut, habe ich mir gedacht, ich kann schon einigermaßen deutsch, die Erfahrung im Ausland bei einem großen internationalen Chemieunternehmen schadet sicher nichts, ein neues Leben müßte ich sowieso in den Staaten anfangen und 30 Tagen Urlaub im Jahr ware auch nicht schlecht. Deshalb bin ich nach Leverkusen umgezogen, eine ziemlich häßlich Chemiekleinstadt nicht weit von Köln und habe hier bei der Bayer AG mit meiner ersten unbefristeten Arbeitsstelle als Chemieingenieur angefangen.
Am Anfang gab es natürlich viel zu lernen z.B. deutsche Fachbegriffe im Bereich thermische Trennverfahren. Ich bin gleich eingestiegen in große Projekte wie z.B. die Auslegung von Rektifikationskolonnen im Wert von mehr als DM 5 Millionen (mal sehen, ob die richtig funktionieren). Ich sitze oft am Computer in Büro, aber nicht immer. Gestern bin ich in der Produktion auf Kolonnen herum geklettert, um zu sehen, wieso die Kolonne nicht richtig funktionierte. Ich habe festgestellt, daß es eine Fehlverteilung im Packungsteil der Kolonne gab aufgrund eines verschobenen Flüssigkeitsverteiler in der Kolonne. Das habe ich bemerkt, als ich mit einer Taschenlampe durch das Mannloch der Kolonne hineingesehen habe.
Ich gehe ab und zu in die Meßwarte, um Daten zu sammeln oder die Fahrweise zu untersuchen. Da ich in einem zentralen Entwicklungsbereich eines riesigen Unternehmens arbeite, komme ich mit vielen verschiedenen Produktionsbereichen in Kontakt und sammle ständig neue Erfahrung.
Seit ich bei Bayer bin, habe ich an einigen Seminaren teilgenommen. Ich war eine Woche in München an der Uni Garsching-Hochbruck zu einem Seminar über Auslegung thermischer Trennapparate, in Masstricht, Niederlande bei der Distillation and Absorption 97 Konferenz, und letzte Woche war ich an der Uni Oldenburg bei Bremen zu einem Seminar über thermische Trennprozesse. Die Thermodynamik wird erst interessant, wenn man sieht, wie nützlich sie fur die thermischen Trennverfahren ist.
Viele meiner Aufgaben kommen aus der EC (Erdöl Chemie) in Dormagen. Dort gibt es einen Naphtha Kracker in dem die leichtsiedenden Erdölkomponenten gespalten werden. Der Naphtha kommt in großen Mengen durch eine unterirdische Rohrleitung von Rotterdam nach Dormagen. Ich habe letzte Woche in den 1100 Grad C heißen Ofen hineingeschaut, in dem der Naphtha gespaltet wird. Dieser Ofen ist das Hertz der EC. Danach gehen die kleinen Moleküle zum Aufbereiten (z.B. zur Destillation), wo dieses Gemisch durch die thermischen Trennverfahren in einzelne Komponenten getrennt wird. Anschließend werden diese Reinchemikalien für die Herstellung verschiedener Produkte wie z.B. HDPE oder ethylenglycol verwendet. Meine Aufgabe besteht in Moment darin, die Kapazität einer Stripperkolonne durch Umbau zu erhören.
Es gibt natürlich Vor- und Nachteilen in Deutschland zu arbeiten. Der groBe Vorteil sind natürlich die 30 Tage Urlaub im Jahr. Bei Bayer in den USA fängt man mit 10 Tagen im Jahr an. Wenn man in der Mitte Europas wohnt, kann man ziemlich einfach Urlaub im Ausland machen. Seit ich in Europa bin, bin ich in 10 Ländern gewesen und habe fast jede Ecke von Deutschland gesehen. Dafär habe ich den Grand Canyon noch nicht gesehen, wie jeder Deutsche. Man reist natürlich viel mehr, wenn man im Ausland ist.
In Deutschland muß man viel Steuer bezahlen. Begriffe wie Solidaritätszuschlag, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung kommen mir leider zu bekannt vor. Nachdem Steuer und Krankenversicherung von meinem Gehalt abgezogen sind, bleibt nur ca. 55% übrig. Es gibt aber Möglichkeiten, wenn man weniger als 5 Jahre in Deutschland arbeitet, die Rentenversicherung zurückzuerhalten. Das wäre nach 5 Jahren ein halbes Jahresgehalt.
Benzin in Europa und besonders in Deutschland ist sehr teuer. Es kostet zur Zeit DM 1,60 pro Liter oder $3,33 pro Gallone. Man kann innerhalb Europas überall hin mit dem Zug fahren, was billiger ist, wenn man unter 26 Jahre alt ist.
Wie in den USA sind die Arbeits- und Uniwelt sehr unterschiedlich von einander. In Deutschland ist es vielleicht noch extremer. Mit 24 Jahren bin ich der Jüngste von allen meinen Kollegen. Das hat mehrere Gründe. Man macht in Deutschland das Abitur erst ein Jahr später als die Amerikaner mit ihrem High School Abschluß weil es 13 statt 12 Jahre dauert. Zusätzlich ist es in Deutschland Pflicht, entweder Bundeswehr oder Zivildienst zu machen. Außerdem, weil es quasi keine Studiengebühren hier gibt, ist es recht günstig, lange an der Uni zu bleiben. Deshalb sind die Deutschen durchschnittlich älter, wenn sie mit ihrem Studium fertig sind, als die Amerikaner.
Und wenn man dann in Deutschland als Amerikaner arbeiten will, kommt immer die Frage: Was ist ein Bachelor of Science oder Masters und wie sind die mit dem deutschen Diplom zu vergleichen? Es gibt zu diesem Thema verschiedene Meinungen.
Ohne meine Erfahrung als Werkstudent bei der Bayer AG und ohne mein B.A. in German hatte ich diese Stelle als Diplomingenieur nie bekommen. Es gibt im Moment 12.6% Arbeitslosigkeit in Deutschland. Deshalb muß die Einstellung eines nicht-EG (Europäische Gemeinschaft) Bürgers begründet werden. Über eine internationale Firm ist es möglich Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis vom Staat zu bekommen. Man muß sich selber nach einem Jahr um einen deutsche Führerschein kümmern, was nicht so einfach ist wie in den USA. Zwischen verschiedenen amerikanischen Bundesländern in den USA, z.B., Connecticut, und der Bundesrepublik Deutschland gibt es eine Vereinbarung, um das zu vereinfachen. Das heißt, daß Fahrstunden nicht mehr nötig werden. Man braucht eine Übersetzung des amerikanischen Führerscheins von der Amerikanischen Botschaft oder dem ADAC, ein Sehtest vom Optiker, einen Erste Hilfe Kurs und dann muß man noch die theoretische Prüfung bestehen.
Private Kontakt zu knüpfen, ist in Deutschland nicht so einfach wie in den USA. Meine Nachbarn zum Beispiel kenne ich nicht so gut. Eine gute Methode Leute kennenzulernen, ist es, in einen Verein einzutreten. In Leverkusen bin ich z.B. einem Laufverein beigetreten und ich bin Mitglied des Bayer Luft Sport Clubs, bei dem ich eine Segelflugzeug-Ausbildung mache. Für die Osterferien habe ich zwei Wochen nur Segelfliegen geplant. Obwohl es keine Berge in Nordrhein-Westfalen gibt, bin ich mit meinem Gleitschirm mit der Winde mehrmals ca. 300m hochgeschlept worden, um einen kurzen Sonnenuntergangsflug nach meiner Arbeit zu genieBen. Da Segelfliegen ein Mannschaftssport ist, bekommt man schnell Kontakt mit Leuten, die dieselben Interessen haben.
Bei der Arbeit und in der Freizeit habe ich mittlerweile mehr zu tun, als ich eigentlich schaffen kann. Somit ist das Leben in Deutschland für mich nicht langweilig. Ich bin wie jede Deutsche bei Bayer mit einem unbefristeten Vertrag angestellt. Mein Ziel ist es, vielleicht eine Job Rotation in die USA zu machen, denn in diesem Fall würde ich meinen Anspruch auf 30 Tage Urlaub auch in den USA behalten.
Ich bin sicher, daß meine Erfahrung bei Bayer wichtig sind für eine mögliche Stelle bei anderen Unternehmen, sei es in Europa, sei es in den USA. Ich mache immer noch zwei Stunden Deutschunterricht pro Woche damit ich z.B. diesen Brief grammatisch richtig über die Runden bringen kann.
Wenn man in Deutschland lebt, lernt man zwangsläufig viel, was keiner an einer amerikanischen Universität über Deutschland lernt. Ich hatte nie erwartet, unbefristet in Deutschland zu leben und weiß auch nicht, wie lange ich hier bleiben werde, aber eines ist sicher: meine Erfahrung hier werde ich nie vergessen.

Das EUROTECH Programm hat mein Leben drastisch verändert.


EUROTECH NEWSLETTER FALL 1998

Aufenthalt eines EUROTECH Absolventen (by Brian Schwegler)

Ja, ich bin immer noch hier. Das habe ich mir vor drei Jahren nicht vorstellen können. Ich wohne jetzt seit 21 Monaten in Deutschland. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mich zum ersten mal über das EUROTECH Programm informierte. Ich war schon im dritten Jahr meines Chemieverfahrenstechnik- Studiums und wollte dann anfangen Deutsch zu lernen: Auf Grund der Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, hat mich die Sprache interessiert, denn nur dort kann man Sie richtig verwenden.
Als ich ein Angebot von Bayer bekam, als Sommerwerkstudent in Leverkusen (Deutschland) zu arbeiten, war ich völlig begeistert davon, obwohl ich immer noch nicht glauben konnte, einen ganzen Sommer in Deutschland zu wohnen. Da ich im vierten Jahr meines Ingenieur- studiums bei UConn war und noch viele notwendige geisteswissenschaftliche Kurse für mein Hauptfach Deutsch brauchte, habe ich mich entschlossen, meine letzten zwei Semester an der Universität Konstanz zu verlängern. Eigentlich war das Wintersemester total neblig, was super zum Studieren und Deutschlernen paßt. Dafür war das Sommersemester am sonnigen Bodensee perfekt fur Berg- und Wassersport.
Als mein Austauschstudium zu Ende ging und damit mein Uniabschluß näher kam, mußte ich dann über- legen in welche Richtung das Leben weitergeht. Da ich noch in Deutschland war und mich hier wohl fühlte, kam ich auf die Idee, mich zuerst bei Chemie-Firmen in Deutschland zu bewerben. Mit der Erfahrung als Sommerwerksstudent bei der Bayer AG in Leverkusen habe ich von diesem Unternehmen ein Angebot für eine Arbeit als Chemie- Ingenieur in der Technischen Entwicklungsabteilung für Flüssig-Verfahrenstechnik im Gebiet Destillation bekommen.

Es gibt natürlich Vor- und Nachteile in Deutsch- land zu arbeiten. Der große Vorteil ist natürlich der 30- tägige Urlaub im Jahr. Bei Bayer in den USA fängt man mit 10 Tagen im Jahr an. Mein Ziel ist es, vielleicht eine Job Rotation in den USA zu machen, denn in diesem Fall würde ich meinen Anspruch auf 30 Tage Urlaub auch in den USA behalten. Wenn man in der Mitte Europas wohnt, kann man ziemlich einfach Urlaub im Ausland machen. In Europa kann man überall hin mit dem Zug fahren, was für Leute unter 26billiger ist. Seit ich in Europa bin, habe ih 10 Länder besucht und fast jede Ecke von Deutsch- land gesehen.

Eine gute Methode, Leute kennenzulernen, ist es, in einen Verein einzu- treten. In Leverkusen bin ich z.B. einem Laufverein bei- getreten und ich bin Mitglied des Bayer Lufsport-Clubs, bei dem ich eine Segel- flugzeug-Ausbildung mache. Ich bin sicher, daß meine Erfah-rung bei Bayer wichtig für eine mögliche Stelle bei anderen Unter-nehmen ist, sei es in Europa, sei es in den USA. Ich habe immer noch zwei Stunden Deutsch- Unterricht pro Woche damit ich z.B. diesen Brief gram- matikalisch richtig über die Runden bringen kann. Wenn man in Deutschland lebt, lernt man zwangsläufig viel, was keiner an einer amerika- nischen Universität über Deutsch-land lehrt Ich hatte nie erwartet, unbefristet in Deutschland zu leben, und weiß auch nicht, wie lange ich hier bleiben werde, aber eines ist sicher: meine Erfahrung hier werde ich nie vergessen. Das EUROTECH Programm hat mein Leben drastisch verändert.